15.07.2014

SPD-Waidgenossen mahnen Natur- und Tierschutzorganisationen zu mehr Sachlichkeit

Nachdem ein Verbund von Natur- und Tierschutzorganisationen Anfang des Monats in Düsseldorf seine extremen Forderungen für ein neues Landesjagdgesetz vorgelegt hat, sorgen sich neben den Jägern vor allem Landwirte und Waldbauern im Lande um die von Umweltminister Remmel versprochene positive Zukunft einer nachhaltigen und naturnahen Jagd in Nordrhein-Westfalen.

Auch der Initiativkreis sozialdemokratischer Jäger in NRW - „Die Waidgenossen“ - zeigt sich angesichts der aktuellen Debatte wieder höchst besorgt und nimmt im Sinne des ländlichen Raums und der seine Ressourcen nutzenden Bevölkerungskreise deutlich Stellung:

„Die Positionen der Natur- und Tierschutzorganisationen kommen einer Quasi-Abschaffung der Jagd gleich, die mit den Belangen einer nachhaltigen Landwirtschaft und eines naturnahen Waldbaus unvereinbar ist“, so der Dortmunder Rechtsanwalt Uwe Lüders, Sprecher der sozialdemokratischen Jägerinnen und Jäger im Lande. Wer die Jagd derart reglementieren und unattraktiv machen wolle wie die Verfasser des Positionspapieres, der nehme ausufernde Schwarzwildbestände mit höchsten Gesundheitsgefahren für Mensch, Haus- und Nutztiere ebenso in Kauf wie exorbitante Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft, so Lüders weiter.

Gegen die massiven zeitlichen Einschränkungen, die nach Meinung der Natur- und Tierschützer für die Jagd auf Schwarzwild, Rehwild und andere Schalenwildarten gelten sollen, beziehen die sozialdemokratischen Jäger ebenso eindeutig Position wie gegen Beschränkungen bei der Raubwildjagd. Einschränkungen insbesondere der Jagd auf Fuchs, Dachs, Marder und Waschbären würden vielerorts das Aus für die durch Klimawandel, Pestizide und Biotopverluste ohnehin schon stark geschwächten Niederwildarten wie Hase, Fasan und ungezählte Bodenbrüter bedeuten. In diesem Zusammenhang merken die Waidgenossen an, dass viele Naturschutzvereinigungen in den ihnen gehörenden Naturschutzreservaten selbst sogar die Fallenjagd auf Raubwild zuließen, um Niederwild und bodenbrütende Vogelarten zu schützen.

„Wenn nun dieselben Akteure das landesweit flächendeckende Ende der Raubwildbejagung fordern, so stinkt diese Doppelmoral doch gewaltig“, merkt der Gevelsberger Bürgermeister und Jäger Claus Jacobi (SPD) an, der übrigens schon mehr als 25 Jahre Mitglied sowohl im Naturschutzbund (NABU) als auch im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist. Für die aktuellen Verlautbarungen „seiner“ Naturschutzverbände auf Landesebene hat er kein Verständnis mehr. Jacobi wörtlich: „Die Naturschutzfunktionäre haben bei der Abfassung ihres Papiers wohl vergessen, dass Naturschützer und Jäger an der Basis in den Orts- und Kreisgruppen überall im Lande hervorragend zusammenarbeiten“ und fragt deshalb: „Was soll dieses gegeneinander ausspielen?“. Bei der künftigen Weiterentwicklung des Jagdrechts müsse es ausschließlich um eine pragmatische ökologische Fortentwicklung des bewährten Jagdrechts gehen, bei der blanke Ideologie nichts zu suchen habe.

Besonders verärgert zeigen sich die Waidgenossen schließlich, dass von Verfassern des Positionspapiers wieder einmal versucht worden ist, das aktuelle Bundes- und Landesjagdgesetz durch einen Hinweis auf das Reichsjagdgesetz aus 1934 in ein braunes Licht zu rücken. Wer die Geschichte des Reichsjagdgesetzes kenne, der wisse, dass seine maßgeblichen Inhalte unter Leitung von Otto Braun, dem großen sozialdemokratischen Reformer und Ministerpräsidenten Preußens noch zu Weimarer Zeiten auf den Weg gebracht wurden, bevor die Nationalsozialisten es böswillig für sich vereinnahmt haben. Es sei historisch betrachtet eine der ersten und wirkungsvollsten politisch-legislativen Naturschutzinitiativen überhaupt gewesen, um die sich der sozialdemokratische Politiker und Jäger Otto Braun hoch verdient gemacht habe.

„Wer die bis heute bewährten Grundzüge des Jagdrechts als braunen Ursprungs bezeichnet, der verunglimpft damit zugleich die Verdienste des großen Politikers, Jägers und Antifaschisten Otto Braun“, so die Waidgenossen.

Von der Landesregierung und dem zuständigen Fachminister Johannes Remmel erwarten die sozialdemokratischen Jäger die Einhaltung der bisherigen Zusagen, insbesondere, dass man sich von Extrempositionen nicht beirren lasse und an dem mehrfach zugesagten Ziel festhalte:

Ein Landesjagdgesetz zu schaffen, das die Zukunft einer nachhaltigen Jagd in der Kulturlandschaft sichert und die berechtigten Belange des ländlichen Raums fest im Blick hat.